Das große Leben. Vernunft, Sicherheit, Erfolg, klare Linien vs. Glück, Liebe, Verrücktheit, Spontanität, Risiko? Herzblutender Träumer oder emotionsresistenter Rationalist?

Die große Menge redet uns im Allgemeinen gerne ein, wir müssten vor allem eins: Stark sein. STARK. Was heißt das denn? In der „normalen“ Welt (womit wir schon wieder beim nächsten hochgradig unvollständig definierten, fehlinterpretierten Adjektiv wären!) wohl soviel wie alles, bloß nicht schwach. Denn schwach ist ja böse. Schwache weinen. Schwach = Fehler. Igitt. Lieber bodenständig sein. Rational. Angepasst. Lieber alte Wege gehen, als auf neuen Pfaden stolpern. Aber ist das nicht das genaue Gegenteil von „stark“? Ist Stärke nicht vielmehr, an sich, seine Ziele und seine Träume zu glauben, so bekloppt sie der Welt auch erscheinen mögen? Sind nicht WIR allein diejenigen, die unsere eigenen Grenzen bauen? Liegt die Reichweite des Möglichen nicht an der Vorstellungskraft des Betrachters?

„Folge deinem Herzen“, sagt man. Aber wo ist der Weg? Der, der uns wirklich zu uns selbst führt. Abseits des ganzen großen Spagats zwischen dem, der wir sein wollen – und dem, der wir glauben, sein zu müssen. Für die anderen – oder auch für uns? Im real life, bei facebook, twitter, instagram. „Guck mal, wie cool ich bin.“ Oder so. Irgendwie.

Wie oft treten wir auf der Stelle, machen uns selbst das Leben schwer, fallen wieder und wieder und wieder mit den Knien in den Schotter. Manchmal, weil wir gar nicht anders können – manchmal auch, weil wir gar nicht anders wollen. Woher kommt die Kraft, der Mut, das Durchhaltevermögen, für das zu kämpfen, was wir wirklich wollen? Links und rechts vom Weg stehen sie, die Geister der Vergangenheit, die so oft auch die der Gegenwart sind, und sie zerren an unseren Ärmeln und Händen, sie locken uns mit Versprechen und falschen Bildern an den Rand, manchmal auch abseits des Weges auf den falschen Pfad.

Und ehe man sich umguckt, liegt man wieder da, wo man niemals mehr aufwachen wollte. Im dunklen Sumpf der alten Zeiten, der dummen Angewohnheiten, falschen Freunde, fiesen Erinnerungen oder des Schmerzes an etwas Verlorenes. Die ältesten Narben spucken wieder Blut. Und dachten wir nicht, wir seien endlich erwachsen geworden? So vernünftig, stark und besonnen, all das hinter uns gelassen zu haben? Und wenn wir dann fallen und wieder aufstehen, versprechen wir uns, es nie mehr so weit kommen zu lassen. Dass wir uns beschützen werden, vor all dem, was uns nach unten zieht: Missachtung, Herzschmerz, Kohlenhydrate. Wir wollten doch ganz anders sein! Nicht mehr schwach. So ganz nah bei uns und unseren Träumen, mutig, stark und kämpferisch, tapfer und kühn genug, die Konsequenzen zu tragen, die das alles mit sich bringt. Und jetzt sitzen wir hier, ziehen uns wieder an den eigenen Haaren aus dem Sumpf – unter Tränen, Zweifeln, Schweiß – und sind doch wieder ein kleines Bisschen schlauer. Und vielleicht jetzt bereit für die große Reise. Oder wir brauchen noch einen Kniefall. Oder 2. Wir fahren das Karussell solange, wie unser Charakter zu der Musik des Dramas tanzt, das wir uns bauen. Und ist es nicht auch schön, das Suhlen im Schmerz? Manchmal ja. Bis es dann irgendwann gut ist. Dann ziehen wir los. Und gucken nicht mehr zurück.

Die Heldenreise ist so voll von Steinchen, die im Karibikurlaub unter den Flip Flops drücken, von Angstkrümeln unter dem Frühstückstisch und Zweifelstreuseln auf dem Fantakuchen. Was fürchten wir? Falsch sein. In Entscheidungen, in Art und Weise, in Liebe und Leben. Geleitet von dem, was und wie Andere uns sehen, fühlen, wollen könnten, verlieren wir uns vielleicht in einem Moment noch völlig – und wir fallen, weil uns hier und jetzt gar nichts anderes übrig bleibt. Weil wir nicht wie die anderen sind. Deshalb kann deren Weg niemals unserer sein. Ihre Lösungen, Blickwinkel, Augenblicke gehören nicht uns – und sie malen nicht unser Bild. Deshalb macht uns unser Leben durch die Augen der anderen nichts außer Bauchweh. Und dann kommt irgendwann der Tag, an dem wir kapieren: so geht’a ja nun nicht! So fauchen wir den Drachen und Monstern einmal mehr ins Gesicht zurück, die unsere Träume und Gedanken in Feuer und zerplatzten Seifenblasen spiegeln. Wir schieben die graue Wolke beiseite und wechseln die Straßenseite, um in der Sonne zu gehen. Weil das Leben im Schatten nicht mehr reicht. Den ein oder anderen Koffer lassen wir am Wegesrand zurück, voll mit Habseligkeiten und geliebten Vergangenheiten. Weil wir mehr wollen. Oder ganz etwas anderes. Das, wonach hier und jetzt das Herz schlägt. UNSER Herz. Und wir wissen, dass es jetzt Zeit ist, zu paddeln. Die Anderen mögen es „unvernünftig“ nennen, „blindlings“ oder gar verrückt – whatever. Niemand hat gesagt, dass es leicht ist. Es kostet Mut. Es kostet Kraft. Aber wir laufen los, schnurstracks der Sonne entgegen. Weil wir fühlen, was auf uns wartet. Der Moment, in dem wir ankommen. Bei uns selbst. Zuhause. Wir haben alles, was wir brauchen, bei uns. Was nicht zu uns gehört, hält der Welle nicht stand. Und alles und jeder, der bei dem, der wir sind Platz hat, findet seinen Weg in unsere kleine große Welt. Wir zeigen all den Schwierigkeiten, mittelschweren Katastrophen der Vergangenheit, all den Sorgen und Ängsten den Mittelfinger. Denn hier uns jetzt finden wir für alles eine Lösung. Immer. Nicht, weil wir in einem perfekten Märchen leben. Aber, weil am Ende immer alles gut wird. Weil wir bei uns sind. Nur noch wir, all die Träume, die Möglichkeiten, ein bisschen Feenstaub – das ganz große Leben. Und selbst wenn wir dann irgendwann mal wieder wieder fallen – who cares at all 🙂

Nichts, was dich aufhält.

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