Klar kommen und dreckig gehen.

Was wäre, wenn wir morgen früh wach würden und alles wäre gut?

So richtig gut. So mit allem pipapo. Ja, ok – es wäre immer noch erst die zweite Woche des Monats und das Konto trotzdem schon im Minus. Der Zahnarzttermin für die Wurzelbehandlung ließe sich auch nicht wegzaubern. Die Maus müsste trotzdem in die KiTa, in der die Kotzerei durch die Luft fliegt und sich munter von einem Bauklotz zum nächsten verteilt.
Und der Chef, jaha! Der verkauft immer noch unsere beste Idee als seine.

Aber zurück zum Aufwachen.

Die Augen aufmachen – und alles ist gut. Ohne die ständige, kopfschmerzartig bohrende Sorge vor dem nächsten Tritt in die Fresse. Vor dem großen unfreiwilligen Kniefall, vor der sabbernd lauernden Katastrophe, die uns mitten im ruhigsten Moment des Glücks hinterlistig von hinten packt, uns eine Plastiktüte über den Kopf zieht und uns kidnappt in die Schlucht der Hoffnungslosen. Und da hängen wir dann wieder, im Dunklen. Planlos. Im strömenden Regen. Kniend, die Hände im Schlamm. Und was jetzt?

Aber Moment mal. Da sind wir ja gar nicht! Uns geht’s doch gerade gut. Was sollen diese gemalten Bilder von Hass, Angst und Zerstörung in unserer Birne? Weshalb macht es uns so an, die Katastrophe zu erwarten?

„Das Schlimmste erwarten, was Beste hoffen.“ Hört und liest man immer wieder. Was ein Bullshit. Was soll es bringen, das Schlimmste zu erwarten, außer, dass sich in unseren Gedanken genau das, was wir eben ums Verrecken NICHT wollen, manifestiert?

Der Supergau.

Also mal schick all das vergessen, lieber an was Schönes denken. Super Idee. Geht nur leider so schwierig. Und weshalb? Vielleicht, weil das Drama und die Kopfkinotragödie uns so unfassbar lebendig machen. Wer leidet, sich in die tiefsten Abgründe seiner Vorstellungskraft schmeißt, der fühlt sich so unverschämt extrem selbst. Auf eine pervers selbstverletzende Art und Weise.

„Guck mal, da bin ich – und ich leide, von Herzen. Meine Angst bringt mich beinahe um. Was soll ich nur tun? Es ist so aussichtslos. Hörst du mich, Leben? AUSSICHTSLOS.“

Und das innere Kind schreit und stampft und wälzt sich im Dreck. Emotionales Ritzen ist das. Das Fallen ist so leicht, das Hochklettern so schwer. Und so lassen wir uns plumpsen. Bis wir irgendwann auf die nassen Steine klatschen. Die kleine vernarbte Seele wird dadurch lebendig, aber kaum glücklich.

Wir neigen dazu, ständig den „Typen mit der Bratpfanne“ hinter’m nächsten Baum zu erwarten, der uns eins über die Rübe zieht, sagt „Du dachtest doch nicht ernsthaft, dass das Glück bei dir bleibt!“ und sich lachend verzieht. Und die Beweise dafür, dass es genauso kommen wird, sammeln wir uns täglich im kleinen Sorgenkörbchen unter’m Arm zusammen.
Stress im Büro, nervige Streiterei Zuhause, schon wieder zugenommen.
Vielleicht sogar ne Nummer krasser:
Gefeuert, geschieden, adipös.
Und da kann das Teufelchen im Kopf dann sagen: „SIEHSTE! Der Bratpfannenmann hatte Recht!“

Und verdammte Kacke, ja. Es ist nicht immer geil. Manchmal ist es sogar ein ziemlicher FUCK. Aber unter’m Strich ist das Alles hier auf dieser kleinen blauen Kugel doch ein Goldschatz!

Was ist mit Sonnenstrahlen, die beim Aufwachen auf der Nase kitzeln? Was ist mit Hundebabies mit Puschelfell, mit Zimtschneckengeruch, mit Münster TATORT gucken und Nagellack von CHANEL, mit Norah Jones, Wasserfällen, mit Kleinkindern, die vor Freude quietschen, wenn man ihnen zulächelt? Mit Abschiedsküssen und Begrüßungsumarmungen, mit Strandkörben und Schnee, mit „Wonderwall“ von OASIS und orangen Gerberas?

Isn’t all that worth it in the end? Ich denke, doch.

Und so geht die Schatzsuche los. Nach dem bunten Bündel dessen, das uns am Ende des ätzendsten Tages wärmt und sagt: „Dennoch!“

Kein Schimmer, wo der Plan zum großen Glück versteckt liegt.

Aber sicher ist: lieber klar kommen, als dreckig gehen.

Vielleicht ist cool bleiben ein guter erster Schritt. Wir haben nicht die Alufolie erfunden. Wir leben in dieser Welt und zaubern uns unser Leben zurecht. Wir machen einiges richtig, viel falsch – aber immer das Beste draus. Mit allen Möglichkeiten, die wir haben, formen wir das große Glück mit unseren 2 Händen. Weil wir in jede Richtung gehen können, in die wir wollen. Wir haben immer die Wahl. Und allein, das zu wissen, macht uns frei.

Morgen früh wach werden und alles ist gut. Weil’s eben einfach so ist. Weil wir’s schon hinkriegen werden. Raus aus der Kuschelzone. Ab in die Feenstaubdusche.

Und wenn irgendwo ein schräger Bratpfannenfetischist hinter’m Baum lauert, wechselste halt unauffällig die Straßenseite.

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