Vom Rocken und Rollen. Und Königreichen.

Cool sein, oder so. „In“ sein. Oder so. King sein – sowieso.

In einer Stadt, die niemals schläft, schreien dir die unsichtbaren Geister in so mancher stiller Stunde schon mal hinterher.
Du hast so fucking viele Möglichkeiten. Nutze sie gefälligst!

Du hast so viel zu nehmen – was bietest du?

Dich, in der unzensiert-überindividuellen Version? Mit Zunge raus und Mittelfinger in die Welt hinaus? Oder dich, unsweetened? Mit ’nem kleinen Lächeln, aber bitte nicht zuviel Zahn und erst recht nicht zuviel Bein?
Dich, zurechtgeschnürt und hübsch verpackt mit Schleifchen? Oder in der „Mundwerk ist der geilste Vorbau“-Variante, in Rollkragen und mit eingravierter Dauerzornfalte zwischen den Augen? Wer immer du bist – für irgendwas hast du dich entschieden.

Und dann steht sie da, die große, furchtlose Stadt, genau, wie du sie lieben gelernt hast – bebend, pumpt Dreck und Liebe und Leben durch ihre Venen – und durch deine, wie einen freudigen Schuss ungiftiges, blütenweißes Heroin, du kriegst Gänsehaut – und sie findet dich entzückend.

Und dann atmest du ein, ganz langsam, und aus, noch langsamer, und ihre kalte Luft zischt durch dich hindurch.

Kurz fragst du dich, gehörst du hierher? Als der, der du bist – und die Antwort ist glasklar. Aber wie konntest du je zweifeln?

Morgens, kurz nach dem Aufwachen, wenn alles noch irgendwie still steht, wenn noch keine Hyaluronsäure die kleinen Fältchen unter deinen Augen versteckt, kein Concealer sich über die Geheimnisse und Schattenseiten gelegt hat, ist Zahltag. Dann nützt es alles nix – die Hose muss runter. Vor niemand geringerem, als uns selbst. Und hinter all dem glitzernden Kram, der unser Leben einhüllt, und sei es auch nur die schillernde Einfachheit unserer kleinen Welt, auf die wir so stolz sind – ganz ohne IKEA und alles in Edelstahl, oder Flomarktinterieur mit Antiquitätsgarantie – dahinter sind wir wir. Trotz Stempel.

Und während wir uns den Sandmännchensand aus den verschlafenen Augen reiben, fragen wir uns – wollten wir das? Ja. Vielleicht ein bisschen freier, vielleicht ein bisschen lauter, vielleicht ein bisschen geiler. Aber scheiße, JA.

Und wie können wir uns dessen so derart schnodderig-dreckig sicher sein? Weil niemand uns sagt, wie’s läuft. Wir haben nur das kleine große Feuer. Vielleicht war’s mal ein Inferno, das uns hierher trug, in die große Stadt. Oder es war mal klein und wurde groß. Kann ja auch sein, dass es mal ein Waldbrand war, der jetzt nur noch ein kleiner, lodernder Aschehaufen ist. So wie beim Grillen in Mamas Garten, 3 Stunden, nach dem alle längst satt sind und die Kohle dann ironischerweise perfekter denn je.

Dem Funken laufen wir hinterher, weil uns gar nichts anderes übrig bleibt.

Und da ist sie, die absolute Garantie. Das Amen in der Kirche, die Quadratur des Kreises.

Solange das Feuer brennt, sind wir noch da. Nicht als irgendwer – als der, der wir wirklich sind. Zwischen all den kleinen und großen Schubladen, die uns das Leben aufhält. Kein Papagei an der Kette, der nur noch vorgekauten Unsinn nachplappert. Kein Pfau, der bunt sein Rad schlägt und auf der Stirn den Satz „guck mal, wie toll ich bin“ tätowiert hat.

Zugegeben: Dem Feuer hinterzuflitzen, macht’s jetzt nicht unbedingt einfacher. Wer sich auf die Flamme verlässt, steht manchmal ganz schön im Dunkeln. Und so manch einer glaubt, er hätte gut dran getan, eine Hallogen-Taschenlampe mit auf die Nachtwanderung zu nehmen – oder den A5 mit Xenonlicht.

Aber irgendwann wird’s wieder hell – und wer den Mut hat, sich so lange ins Gras zu legen und seinem Herzschlag zu vertrauen, statt sich mit iOS7 orten und von einem Hubschraubersonderkommando abholen zu lassen, der wird immer ein Rock’n’Roller sein.

Nicht, weil er ’ne schwarze Lederjacke mit Zunge-Rausstreck-Motiv trägt.

Nicht, weil er ’nen fetten Anker auf den Oberarm tätowiert hat.

Sondern, weil er für alle Welt scheinbar blindlings losläuft, das Glück zu finden. Das große Königreich.
Und es interessiert ihn ’nen Scheiß, was die Meute redet.

Einer, der das kleine wilde Herz des Piraten und der Rebellin in sich trägt.

Nicht, weil irgendwer von ihm will, dass er Rock ist, oder Roll will. Sondern, weil’s brennt.

Und weil langweilig ja nun wirklich jeder kann.

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